Schreibmenschen

10 Gründe, warum ich schreibe 8

  1. Gewohnheit
  2. Loswerden
  3. Ausdruck
  4. Sicherheit
  5. Narzissmus
  6. Rückzug
  7. Geld verdienen
  8. Menschen bewegen

Gute Bücher haben mich zum Lachen und zum Weinen und ganz oft zum Nachdenken gebracht. Auch ich möchte auf diese Art in Köpfe eindringen. Ich denke, etwas zu sagen zu haben, und ich kenne keinen besseren Weg, wie ich mich äußern könnte. Und das Leben von Menschen besser machen zu können, ohne ihnen überhaupt begegnen zu müssen, einfach von meinem sicheren, einsamen Schreibtisch aus, ist ein wunderbarer Gedanke.

Und dadurch ergibt sich gewissermaßen eine Zusammenfassung der bisher genannten Gründe. Das Geldverdienen ist nur Mittel zum Zweck und das Recht zum Rückzug muss ich mir erst erkämpfen, aber mein Narzissmus behauptet, dass meine Bücher tatsächlich eine Rolle in dem großen Rad der sozialen Arbeit spielen können, dass meine Bücher das gleiche oder gar mehr erreichen können, als ich mit meiner Anwesenheit, meinem Unterricht oder meiner Muskelkraft helfen könnte.

Menschen lernen nicht nur durch eigene Fehler und Erfolge, sondern auch indem sie andere beobachten. Sie können sich geliebt fühlen, wenn ein Buchcharakter, mit dem sie sich identifizieren, geliebt wird, und sie können die (negativen) Konsequenzen ihres Verhaltens viel leichter erkennen, wenn sie sie am Leben eines anderen gezeigt bekommen, als wenn man von ihnen verlangt, alle möglichen Folgen ihres Handelns schon vor der Handlung zu bedenken.

Und, noch besser, sie können erfahren, wie es ist, ihr schlimmster Feind zu sein. Okay, es ist ein wenig naiv zu glauben, dass ein Nazi nur ein Buch über einen jugendlichen Flüchtling lesen muss, um seine Fremdenfeindlichkeit aufzugeben. Doch nur wenige Menschen sind sich ihrer Überzeugungen wirklich sicher. Die meisten Menschen wissen nicht so genau, was sie glauben sollen. Und diese Menschen demjenigen zu überlassen, der am lautesten schreit, ist gefährlich. Die Rhetorik der Menschenverführer ist oft schwer zu widerlegen. Aber ein einziges Gegenbeispiel kann jede Theorie stürzen. Ein Gegenbeispiel durchleben zu lassen durch eine gut erzählte Geschichte kann immun machen gegen Totschlagargumente und Scheinwahrheiten.

Natürlich ist das ein sehr idealisierter Fall der Bewegung von Menschen durch Literatur. Viel häufiger sorgt sie einfach dafür, dass Menschen für einen Moment ihr eigenes Leben vergessen. Die Menschen, die sich von meinen Büchern am meisten bewegen lassen, sind in der Regel die, die sie am wenigsten benötigen, da sie ohnehin schon wissen oder ahnen oder glauben, dass alle Menschen den gleichen Wert haben, alles Leben generell, dass Depression keine Faulheit ist, und was es sonst noch so zwischen den Zeilen zu lesen gibt.

Und dennoch ist es eine ehrenvolle Funktion. Meine Bücher möchten fesseln und befreien – denn auch wenn sie sicher nicht völlig neue Erkenntnisse bieten können, können sie doch Menschen in ihrer Meinung bestärken, können ihnen helfen, offener und selbstbewusster zu ihrer Meinung zu stehen oder sie sich einfach nur vom harten Kampf gegen andere Meinungen erholen lassen. Denn auch Erholung, Ablenkung, Flucht hat seinen Wert. Wie sonst sollte man sich denn wieder an die Front wagen?

10 Gründe, warum ich schreibe 9

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