Schreibübungen · Schreibmenschen · Workshops Kreatives Schreiben

Schriftschlucker

unaufgeräumter Schreibtisch mit Tastatur, Teetopf, Tasse, Stiften
Bräuchte dringend ein bisschen Ordnung, schnell weg hier …

Ein Schriftsteller saß mit einem Notizblock im Café und schrieb nicht. Das wäre auch zu sehr Klischee gewesen. Er machte dort alles mögliche, trank einen Tee nach dem anderen, erstellte einen Putzplan für seine Wohnung, an den er sich nicht halten würde, beobachtete Menschen.

Nur eine Geschichte brachte er nicht zu Papier.

Es gibt solche Tage. Da ist der Kopf ganz voll, aber nicht mit Worten. Und aus diesem Knäuel von Gedanken einen herauszupicken, dem Faden zu folgen, bis man einen Anfang (oder ein Ende) gefunden hat, von dem aus man den Knoten lösen kann, ist unmöglich. Immer reißt der Faden ab wie Zuckerwatte und alles, was man hat, sind klebrige Finger und diese Ahnung von Süße, die sich mit der bitteren Stimmung nicht verträgt.

Unser Schriftsteller saß also im Café, weil dem Bild nach Schriftsteller immer in Cafés schreiben. Oder alleine zu Hause am Schreibtisch, aber der Schreibtisch wollte unbedingt aufgeräumt werden und der Schriftsteller musste flüchten. Der Schriftsteller hatte drei Deadlines, zwei Brotjobs und vier Hobbys und er konnte sich einfach nicht entscheiden, womit er anfangen sollte. Also war er ins Café gefahren, um sich inspirieren zu lassen. Aber statt Inspirationen saßen nur Menschen um ihn herum, Menschen, die ihre eigenen Leben hatten und ihre eigenen Probleme und die sich für die Entscheidungsnöte eines Schriftstellers einen Dreck interessierten. Sie jammerten über Spritpreise und Fluglotsenstreiks und Vierzig-Stunden-Wochen. Er wusste nicht, ob er an seinem Roman weiterschreiben sollte oder an dem Blogartikel. Oder das Lektorat? Das würde immerhin Geld einbringen. Und dann musste er noch Rechnungen schreiben und Unterricht vorbereiten und die Steuer – er wollte seine Netflixserie weiter schauen. Aber dafür müsste er zunächst die Bügelwäsche von der Couch räumen.

Oder seinen Laptop mit ins Café bringen. Gab es hier WLAN?

Der Schriftsteller, von dem ich rede, liebte alle seine Projekte. (Naja, die Steuer nicht.) Und genau das war das Problem. Die Wahl zwischen Geliebtem und Ungeliebtem ist leicht. Aber die Wahl zwischen aus unterschiedlichen Gründen in gleichem Maße Geliebtem?

Er war so müde. Und er war sich durchaus bewusst, dass er an Luxusproblemen litt. Das machte das Leid aber nur noch größer.

Der Schriftsteller bestellte noch eine Kanne Tee und malte mit seinem Metallstift Kringel auf’s Papier. Kringel, die die Form von Buchstaben annahmen. Sie ergaben zwar keine Wörter, aber immerhin. Eine vertraute Form.

Die Buchstaben vor seinen Augen tanzten. Und der Schriftsteller fragte sich, ob er nicht doch lieber Maler werden sollte.

Die Aufgabe war: Cloedo
Es war der Schriftsteller mit dem Stift im Café. Nur was?


Irgendwie gehen meine Schreibübungen immer in Richtung Schreibblockade im Moment. Woran das wohl liegt? … Aber ich schreibe und es tut mir gut. Also macht mit! Eine neue Aufgabe gibt es am Freitag!

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